Ich freue mich, wenn Paare in der Beratung streiten.

Beziehungskrise in der Lebensmitte. Bild: CANVA

Ich freue mich, wenn Paare in der Beratung streiten.

Das tönt erst mal schräg.

Warum denke ich so?
Es braucht Mut, sich Unterstützung zu holen.
Es braucht Vertrauen, die Schwierigkeiten vor einer fremden Person offen zu legen.


Daher freut es mich sehr, wenn Paare in der Beratung streiten.
Es zeigt mir, dass ausreichend Vertrauen vorhanden ist, um sich so zu zeigen, wie es nun mal ist. Die Dynamik, die sonst nur daheim stattfindet, zeigt sich dann 1:1 in der Beratung. Echt und roh.

Dafür sind wir da: Damit benannt wird, was unausgesprochen im Raum steht, ohne die Angst, dass es gleich wieder wie ein Vorwurf klingt. Damit die Verletzung raus darf, ohne dass gleich der nächste Streit losgeht.

Erst wenn das gesagt ist, können wir wirklich weitermachen. Dann werden die Schultern lockerer, der Körper entspannter, die Stimmen leiser.

Dann können wir gemeinsam hinsehen, die Ursachen benennen und gemeinsam neue Muster einüben:
Ein Stoppzeichen, bevor es eskaliert. Das Gespräch unterbrechen, bevor noch mehr Verletzung entsteht. Und es zu einem ruhigeren Zeitpunkt verbindlich wieder aufnehmen. Und schon wird nicht mehr so viel kaputt gemacht wie vorher.

Das macht Hoffnung, dass die Beziehung doch trägt und die Liebe zueinander nur verschüttet war.

Zwei Menschen, die sich wieder finden wollen, aber nicht wissen wie.

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Ich glaube, viele Beziehungskrisen in der Lebensmitte werden falsch verstanden.