"Wir wollen einfach weniger streiten."

Wir wollen einfach weniger streiten - doch wie? Bild: CANVA

"Wir wollen einfach weniger streiten."

Damit kommen Paare zu uns in die Beratung. Und mit dem Wunsch: "Wir brauchen einen Plan!"


In der ersten Sitzung geht es dann fast immer um den Streit: Wer was gesagt hat, wer angefangen hat. In späteren Sitzungen wird der eigentliche Grund für den Streit klarer.

  • «Ich hab das Gefühl, ich genüge dir nicht.»

  • Oder: «Ich fühl mich von dir im Stich gelassen.»

Paare, die viel streiten, haben sich oft jahrelang besonders viel Mühe gegeben. Sie haben zurückgesteckt, damit der andere den neuen Job anfangen konnte. Haben am Abend etwas geschluckt, statt ein Fass aufzumachen. Aus Rücksicht. Das ist nicht per se schlecht. Es gibt solche Phasen. Doch sie sollten nicht permanent sein.

«Ist schneller, wenn ich es selbst mache.» Ein harmloser Satz. Verständlicherweise aus Frustration entstanden.

Und kaum einer richtet so leise Schaden an, wie dieser. Wer alles selbst macht, bezieht den anderen nicht mehr ein. Und wer nicht mehr einbezogen wird, zieht sich zurück. (Diese Dynamik sehen wir in den Beratungen immer wieder.)

Oft steckt eine Veränderung dahinter: Das Kind kommt in die Schule. Einer wechselt die Stelle, die andere steigt nach Jahren wieder ein. Oder ein Kind braucht plötzlich Abklärungen und Therapien. Jede dieser Veränderungen hat Einfluss auf die Aufgaben, die Absprachen, die Rollen und vieles mehr.

Wenn es da knirscht ist eure Beziehung deshalb nicht gescheitert. Sie steht an einem Übergang.

Die erste (verständliche) Reaktion: Wir brauchen eine Plan!

Einen Ämtliplan am Kühlschrank, eine gemeinsame Einkaufsliste, ein Date-Abend jeden zweiten Freitag. Das kann helfen, absolut. Nur schafft ein Plan keine Nähe, wenn sich einer von euch trotzdem allein gelassen fühlt.

Vorher braucht es einen gemeinsamen Blick:

1️⃣ Was belastet uns gerade, unabhängig vom konkreten Streit?

2️⃣ Was hat einer von uns lange mitgetragen, ohne dass es gesehen wurde?

3️⃣ Wo können wir uns gegenseitig entlasten?

Entlastung beginnt oft schon da, wenn ein Paar erkennt, was zwischen ihnen abläuft: Einer übernimmt mehr, der Andere zieht sich zurück, was zur Folge hat, dass noch mehr übernommen wird. Sobald dieses Muster auf dem Tisch liegt, ist niemand mehr allein schuld.

Jetzt können gemeinsam Lösungen gesucht werden.

Nach ein paar Wochen klingen die Gespräche anders. (Und das freut uns dann besonders :))

Sie sagt, was sie braucht, bevor sie wütend wird. Er fragt nach, bevor er sich zurückzieht. Und am Sonntagabend planen sie die Woche zu zweit.

Welche der drei Fragen zu besprechen würde euch aktuell gut tun?

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Worum es in Konflikten wirklich geht?